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Tourismus in der Schweiz - Segen oder Fluch für Mensch und Umwelt?

3. Tourismus als Wirtschaftsfaktor
3.1. Verbreitung
3.2. Wirtschaftsdaten

Wie bereits erwähnt, haben seit den 50er Jahren tiefgreifende Veränderungen in den Wirtschaftssektoren stattgefunden. Wie die meisten europäischen Länder ist auch die Schweiz zu einer Dienstleistungsgesellschaft geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Landwirtschaft gerade in den heutigen Ferienhochburgen dominiert, da in der zerklüfteten Landschaft der Alpen kaum etwas anderes möglich war - und noch ist. Erschließungstechnisch gibt die Schweiz für große industrielle Anlagen außer im Mittelland nicht viel her. Doch leider sind die effizienten Produktionsweisen der modernen Landwirtschaft ebenfalls kaum durchführbar, was zu einem enormen Verlust an Arbeitsplätzen in diesem Sektor geführt hat, der allerdings vollständig von der Tourismusbranche aufgefangen wurde. Und so kam es, daß in einigen Bergregionen bis 90% aller Arbeitsplätze direkt mit dem Tourismus zusammenhängen (zu den Statistiken und Zahlen später mehr).

3.1. Verbreitung

Die Tourismusindustrie der Schweiz teilt sich grob gesagt in zwei Hälften: Das Mittelland für die Kurzurlaube und Wochenendreisen, und die Alpen für längere Urlaube und Ferien während der Hauptsaisons.
Die Hauptregionen der Passanten (Kurzurlauber und Wochenendgäste) liegen mit ca. 2 Millionen Logiernächte pro Jahr bei Genf und Zürich und mit ca. 1 Millionen Nächte bei Lausanne und Luzern. All diese Städte liegen an den großen Seen und bieten gute Gebiete für Wochenendgäste zumal diese Regionen am dichtesten besiedelt sind und somit kurze Fahrtzeiten ermöglichen. Zudem ermöglicht die gute Infrastruktur die Bewältigung des Freizeitverkehrs auch von außerhalb des Landes. Der Binnentourismus hat daher einen Anteil von ca. 20-30%; nur in wenigen Gebieten liegt er über 50%.
Da die Ferienorte der Alpen nicht so stark von den Siedlungsgebieten abhängen, ist die Verteilung dezentralisierter. Lediglich in Davos weist der Gastronomiebetrieb eine Zahl von 2 Millionen Logiernächte pro Jahr aus. Der Anteil des Binnentourismus' liegt hier mit 25-40% etwas höher als bei den Passanten.

3.2. Wirtschaftsdaten

Wenn man bedenkt, daß 1985 auf die Einwohnerzahl der gesamten Alpen von ca. 33 Millionen Menschen pro Jahr satte 50 Millionen Urlauber und noch einmal mehr als 100 Millionen Tages- und Wochenendgäste kamen, wird deutlich, welch hohen Stellenwert der Tourismus in der Wirtschaft besetzt. So ist er in der Schweiz nach der chemischen und der Maschinenbauindustrie der ertragreichste Zweig im Exporthandel. Der genaue Anteil läßt sich nur schwer errechnen, da die Schweiz den Tourismus in ihrem Haushalt nicht gesondert aufführt. Aber 1985 hat das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit eine genauere Berechnung durchgeführt, um einen exakteren Überblick zu bekommen. Demnach betrug die Bruttowerterschöpfung damals 18,7 Mrd. Franken, was einen Anteil von 8,2% am Brutteoinlandsprodukt ausmachte ( [6] Seite 111).
1998 lag der gesamte Handelsüberschuß bei 2,2 Mrd. Franken (109,1 Export / 106,9 Import). Schätzungsweise 1,5 Mrd. davon sind dem Tourismus zu verdanken (11,8 Mrd. zu 10,3 Mrd. Franken), was zeigt, daß diese Sparte weiter wächst. Allerdings sind in jüngster Zeit Tendenzen zu erkennen, daß sich aufgrund der stagnierenden Besucherzahlen und der wachsenden Begeisterung der Schweizer für das Ausland als Urlaubsziel der Überschuß leicht rückläufig ist. (Allerdings muß auch hier wieder betont werden, daß die Zahlen (aus [2]) mit einem gewissen Maß an Vorsicht zu genießen sind.) Hinzu kommen die hohen Investitionen in die Wintersportanlagen der Ferienorte, die sich immer langsamer rentieren.

Mit der rasanten Abnahme der Landwirtschaft seit 1950 verlor ein großer Teil der Bevölkerung der Alpenregion seinen traditionellen Arbeitsplatz. In dieser Lage ist es schon fast ein glücklicher Zufall, daß gerade diese Arbeitsplätze durch die Gastronomie aufgefangen werden konnten. War es zunächst nur ein Zuerwerb zur Landwirtschaft, sind heute in den südlichen Kantonen (z.B. Graubünden, Tessin, Uri, Wallis) ca. die Hälfte aller Einwohner in der Tourismusbranche beschäftigt - ein Wert, der lokal bis 90% betragen kann, während der gesamt schweizerische Durchschnitt bei etwa 10% liegt (ca. 300.000). Dieser Umstand führte dazu, daß vor allem in den Bergregionen der Lebensstandard gehalten und erhöht werden konnte.

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