Wie bereits erwähnt, haben
seit den 50er Jahren tiefgreifende Veränderungen in den Wirtschaftssektoren
stattgefunden. Wie die meisten europäischen Länder ist auch die
Schweiz zu einer Dienstleistungsgesellschaft geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt
hat die Landwirtschaft gerade in den heutigen Ferienhochburgen dominiert,
da in der zerklüfteten Landschaft der Alpen kaum etwas anderes möglich
war - und noch ist. Erschließungstechnisch gibt die Schweiz für
große industrielle Anlagen außer im Mittelland nicht viel her.
Doch leider sind die effizienten Produktionsweisen der modernen Landwirtschaft
ebenfalls kaum durchführbar, was zu einem enormen Verlust an Arbeitsplätzen
in diesem Sektor geführt hat, der allerdings vollständig von
der Tourismusbranche aufgefangen wurde. Und so kam es, daß in einigen
Bergregionen bis 90% aller Arbeitsplätze direkt mit dem Tourismus
zusammenhängen (zu den Statistiken und Zahlen später mehr).
3.1. Verbreitung

Die Tourismusindustrie der Schweiz teilt
sich grob gesagt in zwei Hälften: Das Mittelland für die Kurzurlaube
und Wochenendreisen, und die Alpen für längere Urlaube und Ferien
während der Hauptsaisons.
Die Hauptregionen der Passanten (Kurzurlauber
und Wochenendgäste) liegen mit ca. 2 Millionen Logiernächte pro
Jahr bei Genf und Zürich und mit ca. 1 Millionen Nächte bei Lausanne
und Luzern. All diese Städte liegen an den großen Seen und bieten
gute Gebiete für Wochenendgäste zumal diese Regionen am dichtesten
besiedelt sind und somit kurze Fahrtzeiten ermöglichen. Zudem ermöglicht
die gute Infrastruktur die Bewältigung des Freizeitverkehrs auch von
außerhalb des Landes. Der Binnentourismus hat daher einen Anteil
von ca. 20-30%; nur in wenigen Gebieten liegt er über 50%.
Da die Ferienorte der Alpen nicht so stark
von den Siedlungsgebieten abhängen, ist die Verteilung dezentralisierter.
Lediglich in Davos weist der Gastronomiebetrieb eine Zahl von 2 Millionen
Logiernächte pro Jahr aus. Der Anteil des Binnentourismus' liegt hier
mit 25-40% etwas höher als bei den Passanten.
3.2. Wirtschaftsdaten
Wenn
man bedenkt, daß 1985 auf die Einwohnerzahl der gesamten Alpen von
ca. 33 Millionen Menschen pro Jahr satte 50 Millionen Urlauber und noch
einmal mehr als 100 Millionen Tages- und Wochenendgäste kamen, wird
deutlich, welch hohen Stellenwert der Tourismus in der Wirtschaft besetzt.
So ist er in der Schweiz nach der chemischen und der Maschinenbauindustrie
der ertragreichste Zweig im Exporthandel. Der genaue Anteil läßt
sich nur schwer errechnen, da die Schweiz den Tourismus in ihrem Haushalt
nicht gesondert aufführt. Aber 1985 hat das Bundesamt für Industrie,
Gewerbe und Arbeit eine genauere Berechnung durchgeführt, um einen
exakteren Überblick zu bekommen. Demnach betrug die Bruttowerterschöpfung
damals 18,7 Mrd. Franken, was einen Anteil von 8,2% am Brutteoinlandsprodukt
ausmachte ( [6] Seite 111).
1998 lag der gesamte Handelsüberschuß
bei 2,2 Mrd. Franken (109,1 Export / 106,9 Import). Schätzungsweise
1,5 Mrd. davon sind dem Tourismus zu verdanken (11,8 Mrd. zu 10,3 Mrd.
Franken), was zeigt, daß diese Sparte weiter wächst. Allerdings
sind in jüngster Zeit Tendenzen zu erkennen, daß sich aufgrund
der stagnierenden Besucherzahlen und der wachsenden Begeisterung der Schweizer
für das Ausland als Urlaubsziel der Überschuß leicht rückläufig
ist. (Allerdings muß auch hier wieder betont werden, daß die
Zahlen (aus [2]) mit einem gewissen Maß an Vorsicht zu genießen
sind.) Hinzu kommen die hohen Investitionen in die Wintersportanlagen der
Ferienorte, die sich immer langsamer rentieren.
Mit der rasanten Abnahme der Landwirtschaft
seit 1950 verlor ein großer Teil der Bevölkerung der Alpenregion
seinen traditionellen Arbeitsplatz. In dieser Lage ist es schon fast ein
glücklicher Zufall, daß gerade diese Arbeitsplätze durch
die Gastronomie aufgefangen werden konnten. War es zunächst nur ein
Zuerwerb zur Landwirtschaft, sind heute in den südlichen Kantonen
(z.B. Graubünden, Tessin, Uri, Wallis) ca. die Hälfte aller Einwohner
in der Tourismusbranche beschäftigt - ein Wert, der lokal bis 90%
betragen kann, während der gesamt schweizerische Durchschnitt bei
etwa 10% liegt (ca. 300.000). Dieser Umstand führte dazu, daß
vor allem in den Bergregionen der Lebensstandard gehalten und erhöht
werden konnte.