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Tourismus in der Schweiz - Segen oder Fluch für Mensch und Umwelt?

5. Natur & Umwelt (-schäden)
5.1. Naturschäden
5.2. Landschaftsbild
5.3. sozio-kulturelle Probleme


5.1. Naturschäden

Beim Anblick der unzähligen Hotels, Pisten und Lifte, die in die Berge hinein gebaut werden, ist nur schwer davon auszugehen, daß diese Gebilde keinen Einfluß auf die Flora und Fauna nehmen. Und gerade die Skipisten stellen die Umweltexperten vor großen Problemen, denn gerade hier sind es gleich mehrere Faktoren, die sich negativ auf die Hänge auswirken.

Bereits zu Beginn des Wintersport-Booms stellten die Landwirte fest, die ihre Acker- und Weideflächen im Winter als Piste zur Verfügung stellten, daß die Erträge sanken. Die Pistenraupen verdichten den Boden derartig, daß sich der Nährstoffhaushalt negativ verändert und so das Pflanzenwachstum hemmt. Heute sind Flächen oberhalb der Baumgrenze während eines Jahres nicht mehr zu begrünen. Als Folge davon steigt die Erosionsgefahr enorm an. Auch Skifahrer verursachen mit ihren Kanten Schäden auf den Oberflächen, die dieses Risiko weiter steigern. Zudem wird bis zu 70% des jungen Baumwuchs' in Skigebieten zerstört. [1]

Weiter verstärkt wird dieser Effekt durch die künstliche Beschneiung [8], die den natürlichen Wasserhaushalt des Bodens erheblich stört. Eine zusätzliche Wasserlast von bis zu 250mm pro Jahr weicht die Oberfläche ein und macht sie anfälliger für Beschädigungen. Wird der Schnee über noch nicht gefrorenem Boden gelegt, verdichtet sich dieser zusätzlich, was ebenfalls Veränderungen in der Humusdecke nach sich zieht und so das Frühjahrswachstum vermindert. Eine Artenverschiebung von konnte bereits beobachtet werden [8].

Der Sommertourismus birgt in Sachen Bodenabtrag weit weniger Gefahren, obwohl Trampelpfade zu Erosionsrinnen werden können. Ein anderer Aspekt ist jedoch die Frage nach der Tierwelt, die natürlich durch die Anwesenheit von Menschen und deren Bebauung gestört wird, wozu es zahlreiche Untersuchungen gibt, die hier den Rahmen sprengen würden [1]. Seit einigen Jahren werden verstärkt die Einflüsse von den modernen Trendsportarten untersucht, da Paraglider und Montainbiker oftmals in Bereiche vordringen und dort den Lebensraum von (Vogel-) Arten beeinträchtigen, die bislang unberührt waren.

Als letzten Punkt wären noch die Schadstoffemissionen zu bemerken, die durch den teilweise enormen Ferienverkehr und den Brennstoffverbrauch der Siedlungen erzeugt werden und ebenfalls die Pflanzenwelt schädigen.

5.2. Landschaftsbild

Umfragen haben ergeben, daß die Wahl für einen Ferienort sehr stark von dem dortigen Landschaftsbild abhängt [1]. Ein Großteil der Urlauber legt viel Wert auf eine intakte Umwelt und das typisch schweizerische Landschaftsbild mit ländlicher Prägung. Da ist es wenig verwunderlich, daß die modernen Bauten und Anlagen, die für den Skibetrieb von Nöten sind, gerade im Sommer einen Dorn im Auge des Betrachters darstellen. 97-99% aller Sommerurlauber empfinden diese Gebilde als Störfaktor.

Zwar werden die betroffenen Orte oftmals als "sehr schön" bezeichnet, doch Superlativen wie "Phantastisch" und "Einmalig" werden immer seltener Vergeben. Daher richten größere Orte verstärkt ihr Angebot auf den Wintertourismus aus, da diese Gruppe von Urlaubern die bequemen Transportanlagen eher schätzt als mißbilligt. In kleineren Orten, die stärker von beiden Saisons abhängen, könnte der Ausbau zwar einen Gewinn im Winter, aber einen Verlust im Sommer erbringen.

Lawinenschutzbauten sind ein weiterer Faktor, der das Landschaftsbild weiter stört. Vollkommen verbaute Berghänge und Schutzwälle aus Beton inmitten  traditioneller Bauweise, können schnell so manchen Urlauber vergraulen, obwohl viele Bergtäler ohne diese Maßnahmen bei weitem nicht so dicht bebaut werden könnten, als es heute der Fall ist.

5.3. sozio-kulturelle Probleme

In letzter Zeit tritt noch ein weiteres Problem des Massentourismus' in den Vordergrund: Der soziale Werteverfall der alteingesessenen Bevölkerung. Vor allem die Bergregionen mit kleineren Dörfern sind davon besonders stark betroffen, denn außer im Tourismus gibt es dort kaum andere Arbeitsplätze, weshalb die Zahl der einheimischen Bevölkerung stetig zurückgeht. Eine anspruchsvollere Arbeit und bessere Ausbildung gibt es nur in den Städten. Diejenigen, die in den Bergtälern bleiben, sehen sich einer großen Überzahl an (ausländischen) Touristen gegenüber, die die dortige Lebensart häufig als primitiv betrachten. Gleichzeitig verkommen alte Traditionen zu touristischen Attraktionen, bei denen der eigentliche Sinn häufig zu kurz kommt. In den Augen der Einwohner ist dies ein Ausverkauf ihrer Kultur. Verstärkt wird diese Ansicht durch zahlreiche ausländische Investoren, die mit Hilfe ihrer hohen Finanzkraft verstärkt Einfluß auf die heimische Politik und Planung nehmen.

Photo: "Schneekanone" von Kurt Michel / www.pixelio.de
Photo: "Lawinenzaun" von Hanspeter Bolliger / www.pixelio.de
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