5.1.
Naturschäden
Beim Anblick der
unzähligen Hotels, Pisten und Lifte, die in die Berge hinein gebaut
werden, ist nur schwer davon auszugehen, daß diese Gebilde keinen
Einfluß auf die Flora und Fauna nehmen. Und gerade die Skipisten
stellen die Umweltexperten vor großen Problemen, denn gerade hier
sind es gleich mehrere Faktoren, die sich negativ auf die Hänge auswirken.
Bereits
zu Beginn des Wintersport-Booms stellten die Landwirte fest, die ihre Acker-
und Weideflächen im Winter als Piste zur Verfügung stellten,
daß die Erträge sanken. Die Pistenraupen verdichten den Boden
derartig, daß sich der Nährstoffhaushalt negativ verändert
und so das Pflanzenwachstum hemmt. Heute sind Flächen oberhalb der
Baumgrenze während eines Jahres nicht mehr zu begrünen. Als Folge
davon steigt die Erosionsgefahr enorm an. Auch Skifahrer verursachen mit
ihren Kanten Schäden auf den Oberflächen, die dieses Risiko weiter
steigern. Zudem wird bis zu 70% des jungen Baumwuchs' in Skigebieten zerstört.
[1]
Weiter verstärkt
wird dieser Effekt durch die künstliche Beschneiung [8], die den natürlichen
Wasserhaushalt des Bodens erheblich stört. Eine zusätzliche Wasserlast
von bis zu 250mm pro Jahr weicht die Oberfläche ein und macht sie
anfälliger für Beschädigungen. Wird der Schnee über
noch nicht gefrorenem Boden gelegt, verdichtet sich dieser zusätzlich,
was ebenfalls Veränderungen in der Humusdecke nach sich zieht und
so das Frühjahrswachstum vermindert. Eine Artenverschiebung von konnte
bereits beobachtet werden [8].
Der Sommertourismus
birgt in Sachen Bodenabtrag weit weniger Gefahren, obwohl Trampelpfade
zu Erosionsrinnen werden können. Ein anderer Aspekt ist jedoch die
Frage nach der Tierwelt, die natürlich durch die Anwesenheit von Menschen
und deren Bebauung gestört wird, wozu es zahlreiche Untersuchungen
gibt, die hier den Rahmen sprengen würden [1]. Seit einigen Jahren
werden verstärkt die Einflüsse von den modernen Trendsportarten
untersucht, da Paraglider und Montainbiker oftmals in Bereiche vordringen
und dort den Lebensraum von (Vogel-) Arten beeinträchtigen, die bislang
unberührt waren.
Als
letzten Punkt wären noch die Schadstoffemissionen zu bemerken, die
durch den teilweise enormen Ferienverkehr und den Brennstoffverbrauch der
Siedlungen erzeugt werden und ebenfalls die Pflanzenwelt schädigen.
5.2.
Landschaftsbild
Umfragen haben ergeben,
daß die Wahl für einen Ferienort sehr stark von dem dortigen
Landschaftsbild abhängt [1]. Ein Großteil der Urlauber legt
viel Wert auf eine intakte Umwelt und das typisch schweizerische Landschaftsbild
mit ländlicher Prägung. Da ist es wenig verwunderlich, daß
die modernen Bauten und Anlagen, die für den Skibetrieb von Nöten
sind, gerade im Sommer einen Dorn im Auge des Betrachters darstellen. 97-99%
aller Sommerurlauber empfinden diese Gebilde als Störfaktor.
Zwar werden die betroffenen
Orte oftmals als "sehr schön" bezeichnet, doch Superlativen wie "Phantastisch"
und "Einmalig" werden immer seltener Vergeben. Daher richten größere
Orte verstärkt ihr Angebot auf den Wintertourismus aus, da diese Gruppe
von Urlaubern die bequemen Transportanlagen eher schätzt als mißbilligt.
In kleineren Orten, die stärker von beiden Saisons abhängen,
könnte der Ausbau zwar einen Gewinn im Winter, aber einen Verlust
im Sommer erbringen.
Lawinenschutzbauten
sind ein weiterer Faktor, der das Landschaftsbild weiter stört. Vollkommen
verbaute Berghänge und Schutzwälle aus Beton inmitten traditioneller
Bauweise, können schnell so manchen Urlauber vergraulen, obwohl viele
Bergtäler ohne diese Maßnahmen bei weitem nicht so dicht bebaut
werden könnten, als es heute der Fall ist.
5.3.
sozio-kulturelle Probleme
In letzter Zeit tritt
noch ein weiteres Problem des Massentourismus' in den Vordergrund: Der
soziale Werteverfall der alteingesessenen Bevölkerung. Vor allem die
Bergregionen mit kleineren Dörfern sind davon besonders stark betroffen,
denn außer im Tourismus gibt es dort kaum andere Arbeitsplätze,
weshalb die Zahl der einheimischen Bevölkerung stetig zurückgeht.
Eine anspruchsvollere Arbeit und bessere Ausbildung gibt es nur in den
Städten. Diejenigen, die in den Bergtälern bleiben, sehen sich
einer großen Überzahl an (ausländischen) Touristen gegenüber,
die die dortige Lebensart häufig als primitiv betrachten. Gleichzeitig
verkommen alte Traditionen zu touristischen Attraktionen, bei denen der
eigentliche Sinn häufig zu kurz kommt. In den Augen der Einwohner
ist dies ein Ausverkauf ihrer Kultur. Verstärkt wird diese Ansicht
durch zahlreiche ausländische Investoren, die mit Hilfe ihrer hohen
Finanzkraft verstärkt Einfluß auf die heimische Politik und
Planung nehmen.
Photo:
"Schneekanone" von Kurt Michel / www.pixelio.de
Photo:
"Lawinenzaun" von Hanspeter Bolliger / www.pixelio.de
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