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Tourismus in der Schweiz - Segen oder Fluch für Mensch und Umwelt?

2. Entwicklung des Tourismus...
2.1. ...vor dem zweiten Weltkrieg
2.2. ...nach dem zweiten Weltkrieg


2.1. ...vor dem zweiten Weltkrieg

Am Anfang stand der Tourismus in der Schweiz unter keinem allzu gutem Stern, denn laut den damals gängigen Sagen und Legen sollten in den in den Bergen Drachen und andere gefährliche Wesen ihr Unwesen treiben. Folglich hielt man sich von den schroffen Felsregionen fern, wollte man nicht im Rachen eines Drachen enden.
Daher konnte man zu Beginn der christlichen Zeitrechnung nur einige Gasthäuser und Thermalbäder entlang der Handelsrouten und Pässen zu der Branche des Tourismus' zählen. Vor allem die Römer nutzten das Angebot der als Heilbäder berühmten Quellen, wodurch im Laufe der Zeit die ersten touristischen Zentren entstanden, die mit dem heutigen Massentourismus natürlich nicht annähernd zu vergleichen waren.

Im Mittelalter erlebte der europäische Binnenhandel seinen ersten Aufschwund, wodurch die Schweiz mit ihrer zentralen Lage zu einem Knotenpunkt der Handelsrouten wurde. Ebenfalls schien sich die Reiselust der gut betuchten Feudalherren zu regen. Demzufolge wurde die Gastwirtschaft seit dem achten Jahrhundert an den Paßübergängen weiter ausgebaut. Hospize in Pfäfers, Passugg, Leukerbad oder Rheinfelden (bei Basel) boten angenehme Nachtquartiere. Allerdings war die Schweiz weiterhin lediglich Durchgangsland anstatt Reiseziel, da sich die schaurigen Geschichten über die widernatürlichen Bergbewohner weiterhin höchster Beliebtheit erfreuten.
Dies änderte sich erst im 18. Jahrhundert durch die allgemeine Aufklärung, mit der ein verändertes Naturverständnis einherging. Von nun an herrschte nicht länger Furcht vor den Bergen, sondern Bewunderung. Und so kam es, daß die Engländer als erstes die Schweiz als Erholungsgebiet entdeckten und für lange Zeit die größte Besuchergruppe stellten. Allerdings muß man erwähnen, daß es bei den Gästen ausschließlich um wohlhabende Adelige oder Industrielle handelte, die sich überhaupt eine derartige Reise leisten konnten. Für den durchschnittlichen Arbeiter lag ein erschwinglicher Urlaub noch in weiter Ferne.

Zu Beginn dieser Epoche des Tourismus' beschränkte sich das Angebot zunächst nur auf die Sommersaison, in der eine angenehme Reise möglich war. Die Zentren lagen fast ausschließlich an den Seen und im Berner Oberland, zu dem man vom Norden aus gesehen noch am leichtesten gelangen konnte. Ein tieferes Vordringen in die Alpen war zu jener Zeit noch recht beschwerlich.

Dieser Umstand sollte sich jedoch schnell ändern. Nachdem Orte wie Davos oder St.Moritz ans neu geschaffene Eisenbahnnetz angeschlossen wurden, fand der erste Tourismus-Boom in dieser Region statt. 1865 offerierte schließlich das englische Reisebüro Thomas Cook die erste "Gesellschaftsreise".  Und es war in der Wintersaison, denn zu diesem Zeitpunkt setzte nun auch der Alpinismus und der klassische Wintersport ein, dessen Anteil aber stets weit hinter dem des Sommertourismus' zurückblieb. Gleichzeitig entstand zusammen mit weiteren technischen Erneuerungen (z.B. Seil- und Zahnradbahnen) die Hotellerie. Zwar waren es zunächst nur wenige Zentren, aber aus kleinen Dörfern wurden damals die ersten Ferien- und Kurorte, deren prunkvoller "Belle Epoque"-Stil bis heute das typische Bild eines schweizerischen Ortes bestimmt (z.B. Interlaken und Davos). Nachdem sich die Seeorte etabliert hatten, wurden nach und nach auch die Bergregionen erschlossen. Zuerst das Berner Oberland, dann im Wallis (Zermatt und Saas Fee). Seit Beginn des 20. Jahrhunderts zählt der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Schweiz.

Der erste Weltkrieg unterbrach zwischenzeitlich die Geschäfte, läutete jedoch nach seinem Ende eine weitere Entwicklung ein. Mit dem Ansteigen des allgemeinen Wohlstands konnte sich auch der normale Bürger eine Reise in die Berge leisten. Zudem begann der schweizerische Binnentourismus einzusetzen, der in der Statistik bislang lediglich ein Schattendasein fristete. Als schließlich der gesetzliche Urlaub eingeführt wurde, war diese Entwicklung nicht mehr zu bremsen.

2.2. ...nach dem 2. Weltkrieg

In der Nachkriegszeit setzte ein wirtschaftlicher Umbruch ein, der in allen drei Sektoren zu gravierenden Veränderungen führte. Und gerade die Tourismus-branche vollzog einen Satz nach vorn. Mit dem Wirtschaftsaufschwung und der rasant steigenden Mobilität der europäischen Bevölkerung (natürlich ermöglicht durch das Automobil) stieg die Zahl der Betten in der schweizerischen Gastronomie sprunghaft an. Quantität statt Qualität lautete ab da das Motto, mit dem der klassische Massentourismus mit all seinen Folgen für Mensch und Umwelt seinen Siegeszug begann.

Durch diverse technische Innovationen (z.B. moderne Verkehrserschließung (Tunnel und Brücken) und Sessellifte) konnten nun auch entlegene Bergdörfer und Täler mühelos erreicht werden, was zu einer Dezentralisierung des Tourismus' führte. Auch das Angebot an Aktivitäten wurde enorm erhöht, vor allem die Wintersportgebiete wurden massiv ausgebaut, so daß fast zwei Drittel der Erträge in der Wintersaison erzielt werden. Einzige Ausnahmen sind die Kantone Graubünden und Wallis, in denen das Verhältnis noch ausgewogen ist.

In den Jahren von 1960 bis 1980 hat sich die Zahl der Betten der Hotellerie verdoppelt, und liegt heute (1993) bei ca. 270000. Die Summe gibt jedoch nicht annähernd die Zahl der Gäste wieder, die die Alpen während Ihrer Urlaubszeit aufsuchen. Denn die Anzahl der Betten der Parahotellerie (Ferienhäuser und -wohnungen, Camping- und Zeltplätze, Herbergen) liegt dreimal höher, nämlich bei ca. 830000. Hinzu kommen noch Schätzungsweise 740000 Betten in temporär genutzten Zweitwohnungen. Insgesamt ist somit jede achte Wohnung in der Schweiz eine Ferienwohnung. Im Schnitt werden ein Viertel der Betten vom schweizer Binnentourismus belegt (siehe auch Graphik Wirtschaft).

Mit der Zahl der Betten ist auch die Anzahl der Sessellifte und Seilbahnen gestiegen. Insgesamt gab es 1991 1870 Anlagen, die innerhalb einer Stunde 1,5 Millionen Personen auf die Berge bzw. Pisten bekamen. Und obwohl seit Beginn der 80er Jahre die Zahl der Betten stagniert, steigt deren Anzahl weiter, die zudem noch eine höhere Frequenz haben. Mit dem Stillstand der Besucherzahlen seit 1981 sind die einzelnen Ferienorte in einen Wettbewerb um Gäste getreten. Auf die Idee, sich auf die Sommer- oder Wintersaison zu spezialisieren, sind bisher nur wenige gekommen, zumal die Betten nur während maximal 25% eines Jahres belegt sind. Statt dessen wird der Ausbau der Wintersportanlagen unermüdlich vorangetrieben, um die Gunst der Urlauber zu erwerben. Daß sich die Investitionen allmählich nicht mehr rentieren, und die Bauten zusehend das Landschaftsbild zerstören, werden die folgenden Punkt erklären.
Anders als Frankreich oder Italien hat die Schweiz von Beginn an des Massentourismus Maßnahmen getroffen, die eine Entstellung der alpinen Landschaft vorgebeugt haben (siehe Foto). So waren in den Satzungen der Bergdörfer zumeist Waldflächen und Bauweisen vorgeschrieben, die das typische Bild der ländlich geprägten Alpenregion weitgehend erhalten haben, und einen Wildbau von Hotelburgen verhindern konnten.

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