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Referat vom 05.11.1999
Eigentlich ist dieser altbekannte Spruch viel zu harmlos und stellt die Gefahren des Rauchens nicht so stark in den Vordergrund, wie es sein müßte. Daher schreibt man heutzutage, wie es in anderen Ländern längst gang und gäbe war, auf die Schachtel: Rauchen tötet!
Nicht nur soziologisch, sondern auch medizinisch gesehen, bereiten die legalen Substanzen den jeweiligen Wissenschaftlern wohl die meisten Sorgen. Oftmals wird das Abhängigkeitspotential und die gesundheitlichen Folgen unterschätzt, da die Anwendung alltäglich stattfindet, ohne daß man sich große Gedanken darüber macht. Tabak wird sogar beworben, indem man diese Substanz mit einem Image verbindet, das häufig mit Geselligkeit und Freundschaft verbunden wird. Gerade beim Tabak, der schon in geringsten Mengen jahrelange Schädigungen im Atmungssystem nach sich zieht, führt diese Art des Gruppenzwangs in der Regel zum Einstieg in den Konsum.

Der Tabak
Wie Alkohol gehört auch Tabak zu den gesellschaftlich akzeptierten Drogen. Der große Unterschied besteht jedoch darin, daß fast alle Konsumenten ein Abhängigkeitsverhalten zeigen (und wiederum die meisten dies auch wissen). Nur etwa 10% der Raucher geben an, nur bei Gelegenheiten zu rauchen. Insgesamt konsumiert etwa jeder zweite Bundesbürger Tabak in irgendeiner Form.

Aus der obigen Graphik geht hervor, daß der Anteil seit Jahren leicht rückläufig ist. Allerdings zeigen neuere Daten, daß bei den 14-17 Jährigen die Raucherquote trotz zahlreicher Aufklärungskampagnen erneut ansteigt. Auch hier ist wohl das viel beworbene Image und der damit zusammenhängende Gruppenzwang für diese Entwicklung mitverantwortlich zu machen.
Anders als beim Alkohol, sind schon geringe Mengen Tabak - vor allem, wenn er inhaliert wird - ein ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko. Die Teerrückstände von nur einer Schachtel Zigaretten benötigen bereits einen Zeitraum von mehreren Jahren, um vom körpereigenen Reinigunssystem vollständig aus der Lunge entfernt zu werden. Bei regelmäßigem Konsum entstehen daher sogenannte Raucherlungen (siehe Abbildung). Das Lymphsystem des Körpers, das für die Entfernung von Fremdstoffen verantwortlich ist, ist jedoch nicht in der Lage, Teer abzubauen. So nehmen die Makrophagen (Fresszellen) diese Substanz zwar auf, verenden jedoch daran auf dem Weg zu den Lymphknoten. Eine solche Raucherlunge benötigt daher 10 bis 15 Jahre zur vollständigen Regeneration.


Lunge: Nichtraucher - Raucher

Eine weitere gefährliche Substanz ist das Nikotin, das in der Rangfolge der tödlichsten Stoffe für den menschlichen Körper an siebter Stelle steht. Schon 40 Milligramm können einen Menschen töten. Der Nikotingehalt einer einzigen Zigarette liegt im Durchschnitt bei fast einem Milligramm. Jedoch wird Nikotin genauso schnell abgebaut, wie es wirkt - in wenigen Sekunden. Daher wird die tödliche Dosis nie erreicht. Obwohl Nikotin anregend auf den Konsumenten wirkt, geben 50% der Raucher an, sich dadurch beruhigen zu wollen. Ein Anzeichen für starke Toleranzentwicklung - es kommt auf die Tätigkeit an, nicht mehr auf den Wirkstoff.

In Bezug auf das Nikotin werden hier nun die einige Folgeerscheinungen für das Atmungssystem erklärt (siehe Abbildung):

(Eigenentwurf)
(1) Zunächst tötet Nikotin die Flimmerhärchen der Luftröhre ab, die für den geregelten Abtransport von Staub und anderen Fremdstoffen aus dem Atmungssystem sorgen. Wird dieser Transport nun unterbrochen, staut sich der Schleimfluß an dieser Stelle und kann nur abgehustet werden - der typische Raucherhusten entsteht. Im Extremfall kann der Betroffene im Schlaf ersticken.

(2) Die Lungenbläschen - dort findet der Sauerstoffaustausch mit dem Blut statt - stehen ständig unter Druck, jedoch verhindert eine Substanz das Zusammenfallen. Eben diese Substanz wird nun vom Nikotin neutralisiert, und viele Lungenbläschen können nicht mehr ihre Funktion aufrecht erhalten. Der Sauerstoffaustausch kann sich infolgedessen enorm verringern und der Raucher erreicht bei körperlicher Anstrengung (das kann schon ein Treppensteigen sein) schnell einen Erschöpfungszustand.

Weitere gesundheitliche (vor allem langfristige) Schäden entstehen durch die über 100 Substanzen, die sich im Rauch befinden. Allerdings weiß man aufgrund dieser enormen Zahl (einige Bücher sprechen sogar von 1000) nicht, welcher dieser Stoffe nun genau Krebs und Duchblutungsstörungen (Raucherbein) verursacht.
 
Rauchen und Krebsrisiko Newcomb&Carbone, P.P. ‘92
Lokalisation
Männer
Frauen
 
Anteil des
Rauchens an der
Sterblichkeit
gegenüber 
Nichtrauchern erhöhtes Risiko
Anteil des
Rauchens an der
Sterblichkeit
gegenüber
Nichtrauchern
erhöhtes Risiko
Lunge
Kehlkopf
Mundhöhle
Speiseröhre
Pankreas
Harnblase
Niere
Magen
Leukämie
Cervix
90 %
81 %
92 %
78 %
29 %
47 %
48 %
17 %
20 %
31 %
22,4-fach
10,5
27,5
7,6
2,1
2,9
3,0
1,5
2,0
2,1
79 %
87 %
61 %
75 %
34 %
37 %
12 %
25 %
20 %
31 %
11,9-fach
17,5
5,6
10,3
2,3
2,6
1,4
1,5
2,0
2,1

Um Missverständnissen vorzubeugen - Beispiel Leukämie:
20 % aller Todesfälle werden durch das Rauchen verursacht. Die übrigen 80 % aller Todesfälle haben andere Ursachen, von denen Raucher wie Nichtraucher gleichermaßen betroffen sind. Als Nichtraucher geht man folglich ein geringeres Gesamtrisiko ein, an Leukämie zu erkranken und in folge dessen zu sterben.

Die WHO geht davon aus, daß etwa jeder zweite Raucher an einer der Folgewirkungen verstirbt. Außerdem sterben in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise 200-400 Personen durch Passivrauchen. Der Aufenthalt in einem durchschnittlich verrauchten Raum von einer Stunde entspricht etwa dem Konsum von fünf Zigaretten - mit sämtlichen Schadstoffen. Ein Raucher, der seinen Konsum in der Öffentlichkeit ausübt, nimmt somit wissentlich in Kauf, daß Mitmenschen durch sein Verhalten zu Schaden kommen.

Rauchen in der Schwangerschaft:
Obwohl die Säuglinge von rauchenden Müttern für gewöhnlich schwächer und kleiner zur Welt kommen, stellen 40% dieser Frauen während einer Schwangerschaft den Konsum von Tabak nicht ein. Als Folge davon werden diese Kinder anfälliger für Allergien und Krankheiten, da ihr Immunsystem lebenslang gestört ist.
In einer aktuellen Untersuchung von Professor Töllner (Leiter der gynäkologischen Abteilung des Klinikums Fulda) konnten erstmals direkt im Fötus krebserregende Substanzen nachgewiesen werden ("Deutsches Ärzteblatt 96", Heft 33 , 20.August 1999).
Auch das Risiko, ein geistig behindertes Kind zur Welt zu bringen, ist bei rauchenden Müttern erheblich höher.

Die Sucht erklären...
Nun bleibt noch die Frage offen, warum die Menschen trotz all der Gefahren von gesundheitlichen Schäden derartige Substanzen konsumieren. Vor allem Tabak schlägt mit seiner weiten Verbreitung und dem extrem hohen Risiko einer Krebserkrankung besonders stark zu Buche.
Einen Teil der Antwort ist in der Psychologie zu finden und läßt sich gut mit dem Spruch erklären: "Mich wird es schon nicht treffen!"
Diese Art der Selbstverleumdung ist im Alltag durchaus hilfreich, denn sonst würde sich niemand mehr auf die Straße wagen, aus Angst, von einem Auto überfahren oder von einem Räuber getötet zu werden. Bedenkt man aber, daß die Wahrscheinlichkeit, infolge des Tabakkonsums zu sterben, bei 50% liegt, bedeutet jene Eigenschaft der Psyche in diesem Fall für so manchen Menschen den Tod.
 

Übersicht
 

Substanz Konsumenten 1995 akute Wirkung
Tabak 1993:
14-17 Jahren: 29%
18-20 Jahren: 45% 
20-25 Jahren: 51%
(danach stabil)
pro Zigarette Aufnahme
von 0,15-0,3mg Nikotin
bei Inhalation bis 3mg
schneller Abbau, daher wird
tödl. Dosis (40mg) nicht 
erreicht
erregend (physisch)
entspannend (psycholog.)
langfristige Wirkung Begleiterscheinungen sonstiges
Toleranzentwicklung
Lungenschäden
Herzschäden
Herzinsuffizienz
Gefäßschäden
Krebserkrankungen
Druchblutungsstörungen
Schlaganfälle
50% aller Raucher sterben
an einer Folgeerscheinung /
20mal höheres Risiko an 
Lungenkrebs zu erkranken
® Ursache: weit über 100 Zusatzstoffe (vor allem Teer),
bis heute nicht genau 
definiert
1993: 56% aller Raucher 
haben als 14 jährige 
begonnen (oder jünger)
soziales Gruppenverhalten
Rauchen in der Schwanger-
schaft: Fötus übernimmt
Schadstoffe ® gehemmtes 
Wachstum/Immunsystem

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